Am Rande der Mojave …

11.05.2017 Kommentare (0) Reisen

Spanien/Portugal – darf’s noch etwas Sommer sein?

Bevor uns das nasskalte Herbstwetter einholt, wollten wir Anfang Oktober 2016 noch ein wenig den Sommer verlängern. Nach einem kleinen Umweg in den Schwarzwald (TÜV am HILUX…) ging es stetig nach Südwesten, bis wir rund einhundertfünfzig Kilometer nördlich von Bordeaux die Atlantikküste erreichten. Wir ließen uns einfach treiben, da wir das trockene, milde Klima nutzen wollten. Kühle Tage und Regen hatten wir in den Vormonaten irgendwie zur Genüge gehabt.

Von Bordeaux aus hielten wir grob auf Biarritz zu, cruisten nur kurz durch die Stadt und fuhren in Richtung Bilbao und Baskenland weiter. Hier wurde das Klima spürbar wärmer, selbst nachts hatten wir Temperaturen um die 15°C – was im Vergleich mit Zuhause richtig klasse war. In Kantabrien besuchten wir den Tierpark Cabárceno, in dem fast alle Tiere in für Zoo-Verhältnisse überaus großzügigen, weitläufigen Gehegen leben. Ein Besuch lohnt sich, der Park ist so riesig, dass man mit dem eigenen Fahrzeug darin unterwegs ist.

Ein echtes Highlight waren die Picos de Europa. Durch einen glücklichen Zufall stießen wir auf eine herrliche Piste. Im Anschluss fanden sich weitere, landschaftlich wunderschöne und zum Teil auch fahrtechnisch interessante Strecken.


Für genügend Adrenalin sorgte dann aber eine kleine Brücke, die mehr oder minder aussah, als sei sie vor hundert oder mehr Jahren für die Nutzung mit Eselskarren  erbaut und später nicht mehr großartig nachgebessert worden. Ich hatte ein echt mulmiges Gefühl und war mir nicht sicher, ob der HILUX von der Breite her überhaupt auf die Brücke passt und ob die Brücke uns überhaupt trägt. Michael musste die Brücke erst mal prüfen und einschätzen und schließlich zur Beruhigung meiner Nerven voraus gehen. Ein späteres Ein- oder Aussteigen wäre nicht möglich gewesen, dazu war die Brücke schlicht zu schmal. Alle Bedenken und Ängste waren unnütz, die Brücke trug die Last und wir überquerten die Schlucht problemlos und unbeschadet.

Spanien/Portugal   darfs noch etwas Sommer sein?

Inzwischen holte der Regen uns langsam ein, wenn auch bei recht moderaten Temperaturen. Laut Wetterbericht sollte das Wetter die nächsten zwei Tage schlecht bleiben. Blöderweise gab unser kleiner 12-Volt-Ventilator auch noch den Geist auf. Gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit ist so ein Ding immens praktisch, um die gerade bei niedrigeren Nachttemperaturen auftretende Kondensfeuchtigkeit am Zeltstoff des Aufstelldachs morgens möglichst schnell zu trocknen. Nach dem Vorbild der damals ja schier unkaputtbaren russischen Raumstation MIR war der Schaden aber mit Hilfe von etwas Superkleber aus dem nächsten Supermarkt rasch behoben. Nichts geht über einfache Zweckmechanik…

Für unser Nachtquartier wählten wir Valdés, direkt an der Atlantikküste. Unser nächstes Tagesziel sollte die berühmte Messer-Manufaktur von Taramundi sein. Leider stellte sich unser Besuch dann als erfolglos heraus – geschlossen. Beim nächsten Mal haben wir vielleicht etwas mehr Glück Also ging es unverrichteter Dinge weiter in Richtung Portugal..

Wie geplant blieben wir in der Nähe von Baiona über Nacht, um am Folgetag ein großes Stück der Route zum südwestlichsten Zipfel Europas zu schaffen. Kurz hinter der portugiesischen Grenze verließen wir die größeren Straßen und bewegten uns auf kleinen Landstraßen weiter in Richtung Süden. Den Norden Portugals fanden wir nicht so spannend, so dass wir unseren Zwischenstopp erst am Praia de Tocha einlegten. Der dortige Naturpark war menschenleer, von netten Pisten durchzogen und führte uns an einer Stelle mit dem HILUX bis fast an den Atlantik.

Spanien/Portugal   darfs noch etwas Sommer sein?

Auf unserer Route gen Süden umfuhren wir Lissabon weiträumig (Städte sind einfach nicht so unsere Welt …) und nutzten hierfür die gebührenpflichtigen Autobahnen, auf denen nur minimaler Verkehr herrschte. Das nächste Nachtquartier schlugen wir bei Lagos auf und gingen dort sehr gut portugiesisch essen. Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Kaffee packten wir zusammen und waren so um die Mittagszeit am Cabo Sao Vincenze, der Südwestspitze des europäischen Festlandes.

Spanien/Portugal   darfs noch etwas Sommer sein?

Erwartungsgemäß brannte hier sprichwörtlich der Bär. Reichlich Autos, Reisebusse, viele Menschen und zur Krönung (im negativen Sinne) ein Stand der auf Deutsch mit der „Letzten Bratwurst vor Amerika“ wirbt. Nachdem wir am Cabo ein wenig herumgelaufen waren und genug gesehen hatten, suchten wir fluchtartig das Weite. An unserer Strecke sahen wir noch zwei alte Festungen, aber auch die waren vollkommen überlaufen. Michael fand auf der Topokarte ein Fort an einer unbefestigten Strecke und wir beschlossen, es dort einmal zu versuchen. Schon als wir auf den Parkplatz des Forte de Almádena rollten, sahen wir dort tatsächlich nur vier Fahrzeuge: Einen PKW, ein kleines WoMo aus Bayern, einen Hamburger Mercedes Transporter mit Motorrad am Heck und einen VW T4 lang mit Lüneburger Kennzeichen. Beim Aussteigen wurden wir vom Besitzer des Mercedes mit einem freundlichen „Moin moin“ begrüßt. Er erzählte uns, dass er „Aussteiger“ sei und seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von selbst gefertigtem Schmuck aus alten Gabeln und der Fertigung von Gürteln aus Fahrradschläuchen bestreitet. Der T4 hatte schon länger keinen TÜV mehr gesehen, war dafür aber im wunderbarsten Hippie-Stil bemalt. Sein Besitzer schwärmte, dass er seit sechs Jahren in Portugal lebe und dort auch bleiben möchte. Das Klima sei so angenehm und der Lebensunterhalt so günstig, alles würde deutlich entspannter zugehen und man hätte eben sehr viel Zeit zum chillen und könne das wahre Leben genießen. Auch ein Lebensmodell… Wir unternahmen unseren geplanten Rundgang durch die Festungsruine und überlegten, ob wir uns für die Nacht dazu stellen wollen. Da es noch früh war und wir noch etwas mehr vom Meer sehen wollten, folgten wir dann doch weiter der Küste, bis wir gegen Abend in der Nähe von Huelva in Spanien landeten.

Spanien/Portugal   darfs noch etwas Sommer sein?

Bei unserer letzten Spanien-Reise im Jahr 2013 waren wir unter anderem auch im berühmten Wallfahrtsort El Rocio und wollten diesen faszinierenden, außerhalb der Pfingstzeit nahezu verlassenen Fleck unbedingt nochmal besuchen. Sämtliche Straßen im Ort sind unbefestigt, während der Festivitäten bevölkern neben den Feiernden auch zahllose Pferde die Wege und Plätze und auch außerhalb der Saison trifft man dort fast so viele Reiter wie Autos, Das Ganze wirkt mit seiner tollen Architektur und den zahllosen Kapellen beinahe wie eine Westernkulisse aus Mexiko. Fotomotive, bis der Arzt kommt, sozusagen. Dazu lockte uns auch der nahe gelegene Nationalpark Coto de Doñana und dessen Umgebung mit zahlreichen einsamen, unbefestigten Pisten. Einen Teil der Pisten sind wir dann im Parque Natural (also außerhalb der Schutzzone!) auch gefahren, aber vieles blieb von uns noch unentdeckt. Ein guter Grund, irgendwann wiederzukommen.


Weiter ging es dann durch die großen Feuchtgebiete im Osten des Nationalparks langsam Richtung Tarifa, der Afrika am nächsten gelegenen Südspitze Spaniens. Auf den Wasserflächen zwischen den Baumwoll- und Reisfeldern von Doñana waren schon viele Flamingos und allerlei andere Vögel im Feuchtgebiet zu sehen – in freier Wildbahn schon etwas Besonderes.

Irgendwie hatten wir gehofft, uns die Festung Tarifa ansehen zu können, aber das scheint für Privatpersonen nicht möglich zu sein. Trotzdem war es ein Erlebnis, vom Strand aus mit dem bloßen Auge nach Afrika schauen zu können. Tarifa selbst wirkte auf uns auch nicht mehr sehr spanisch, die maurischen Einflüsse sind dort allgegenwärtig. Eins meiner ganz persönlichen Erfolgserlebnisse war mein erfolgreicher Sieg über den spanischen Parkscheinautomaten, der erst nach dem vierten Versuch ein Ticket auswarf. Nach einer ausgedehnten (Selbst-)Stadtrundfahrt verabschiedeten wir uns von der Stadt und folgten der Mittelmeerküste vorbei an Marbella und Malaga.

Irgendwo bogen wir ins Landesinnere Richtung Naturpark Sierra Nevada ab. Auf unserer Route stolperten wir sozusagen über den Pico del Veleta, auf den eine Straße bis auf über dreitausend Meter führt. Im Internet fanden wir heraus, dass auf der Strecke häufig Prototypen und „Erlkönige“ auf ihre Leistung in Höhen getestet werden. Leider war für uns bei ca. 2400 Metern Schluss, da die Strecke durch eine verschlossene Schranke und zusätzliche Verbotsschilder gesperrt war. Später erfuhren wir dann, dass diese Sperrung für den öffentlichen Verkehr bereits seit der Gründung des Nationalparks existiert. Nach dieser für uns unvollendeten Piste machten wir uns auf den Weg nach Tabernas. Die wüstenähnliche Gegend dort erinnert an den Südwesten der USA und es gibt in der Umgebung echt schöne unbefestigte Pisten, was wir natürlich nutzten. Entlang der größeren Straßen findet man dort leider aber auch ganze Meere foliengedeckter Gewächshäuser, die man sogar auf Satellitenbildern sofort erkennt. Hier wächst ein nicht unerheblicher Teil des Gemüses, das wir in den hiesigen Supermärkten finden.

Jetzt ging es für uns in Richtung Murcia, Alicante und Valencia weiter. Das große Regengebiet im Landesinneren ließ uns weiter der Küste folgen, über Barcelona hinaus in Richtung Frankreich. Der grobe Kurs war jetzt Toulouse und von dort aus durch das Tal der Ardeche und die Provence. Seit ein paar Tagen leuchtete im HILUX bereits das Signal für den Kundendienst auf, glücklicherweise aber ohne Fehlercode. Nicht so schlimm, die zur Verfügung stehende Zeit neigte sich sowieso dem Ende zu. So ging es von den Lavendelfeldern mit einem Zwischenstopp in Dornstetten langsam Richtung Heimat Norddeutschland. Das fiese Herbstwetter sorgte dann auch erst mal für einen Kälte-Nässe-Schock. Da bleiben dann nur warme Gedanken an eine nächste Reise. Es gibt noch so viel zu sehen …

 

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