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Da steht oder fährt man so mit seinem ausgebauten Offroader, dem Bulli oder einer kleinen Wohnkabine irgendwo und verspürt plötzlich ein dringendes Bedürfnis. Auf einem Campingplatz oder mit etwas Glück auch anderswo findet sich vielleicht rechtzeitig noch die passende Infrastruktur, ansonsten führt der Weg halt mit geschultertem Schäufelchen hinter die Büsche oder in den Wald. Leider geht das in der Praxis aber aus den unterschiedlichsten Gründen gar nicht immer so einfach – ob in Island auf der freien Pläne, in Schottland am Straßenrand, auf dem Stellplatz mitten in der Stadt oder einfach nur bei ekligem Sauwetter kann das schnell mal zum Problemchen werden. Gut, wenn man da eine Notlösung parat hat …

Über manche Dinge kann man bekanntlich unterschiedlichster Ansicht sein und hierzu gehört wohl auch die Campingtoilette. Abgesehen davon, dass man trefflich darüber streiten könnte, ob so etwas in einem doch ziemlich kleinen Reisemobil nun tatsächlich notwendig ist oder nicht, gibt es über die ideale bzw. sinnvolle Art und Ausführung des „Töpfchens“ scheinbar mindestens ebenso kontroverse Meinungen. Und so gibt dieser Beitrag – wie immer – auch nur unsere subjektive Sicht der Dinge wieder.

Wir haben uns mit dem Thema immer wieder mal befasst und nach einer für uns passenden Lösung gesucht. Schon mal ganz hilfreich war dabei der Artikel „Die perfekte Camping-Toilette“ im Blog von 4x4tripping, aber so ganz das Richtige war zumindest für uns irgendwie noch nicht dabei. Die Klapptoiletten wie etwa die „Travel Toilet“ brauchen zwar nur wenig Stauraum, aber wir fanden Konstruktion und Handling doch irgendwie unpraktisch und etwas wackelig. Eine Weile hatten wir den Sitzring (sprich: die Brille) von Fixtoi und einen stabilen Zehn-Liter-Eimer dabei. Diese Kombination passte prima an den in unserer Exkab-Kabine vorgesehenen Platz, war aber in puncto Standfestigkeit auch noch nicht so ganz das Wahre.

Ziemlich verbreitet sind Chemietoiletten und es gibt tatsächlich ziemlich kompakte Modelle, aber trotz der Beliebtheit gibt es doch Nachteile, die uns überhaupt nicht gefallen: Die ganze Chemie ist trotz aller Bemühungen der Hersteller bestimmt nicht unbedingt super-umweltfreundlich und ist möglicherweise auch nicht immer und überall verfügbar. Die „Soße“ schwappt besonders bei seltener Nutzung ewig im Tank herum, man benötigt spezielles, sich leicht auflösendes Toilettenpapier, für die sachgerechte (und irgendwie nervige) Entsorgung braucht man einen Camping- oder Stellplatz mit entsprechender Infrastruktur etc. – das ist nichts für uns.

Overlanders Nachttopf   die Camping ToiletteExkab stattet die Kabinen normalerweise mit einer Cactus Trockentoilette aus, wie sie auf kleineren Yachten gern verwendet wird. Das Prinzip mit den leicht und sauber verschließbaren Spezialbeuteln erscheint zwar auf den ersten Blick wirklich toll, hat aber neben den hohen Kosten für diese Beutel noch einen weiteren großen Nachteil, der gerade bei beengten Platzverhältnissen mehr als ungünstig ist: Die Ersatzbeutel (so genannte „Lid bags“) haben durch den festen Rand von Beutel und Deckel ein geradezu gigantisches Volumen – zehn Stück haben ein Außenmaß von 28cm x 28cm x 19cm und kosten im Internet stolze 27 Euro. Leider lassen die sich auch nicht im Inneren der Toilette verstauen, lediglich für einen einzigen Ersatzbeutel ist unter dem Gehäuse Platz vorgesehen. Unseren Stauraum und auch unser Geld nutzen wir dann doch lieber für wichtigere Dinge, auch diese Lösung ist nichts für uns.

Wir sind dann irgendwann mehr oder minder zufällig der Wehncke Camping-Toilette begegnet, die uns nicht nur stabiler, sondern einfach auch in jeder Hinsicht praktischer erschien (Kostenpunkt etwa 50,- Euro). Die Konstruktion ist ziemlich stabil (Tragfähigkeit 114kg), wiegt aber gerade mal ein Kilogramm. Mit rund 33cm x 30cm x 30cm passte sie für unsere Zwecke fast ideal. Zwar mussten wir die ca. 10mm hohen Füße absägen, damit sie in der Kabine in die Öffnung für die Cactus-Toilette passt, dafür steht sie aber nicht so weit in den Gang hervor. Auf der Rückseite gibt es eine Klappe, durch die man Ersatzbeutel etc. im Inneren verstauen kann. Der Hersteller bietet Beutel mit Feuchtigkeits-Absorptionspulver an, aber das kann man auch noch weitaus günstiger haben. Wir verwenden einfach einen umweltfreundlichen, biologisch abbaubaren 10l-Müllbeutel und geben etwas Feuchtigkeitsabsorber hinein – den gibt es im Internet ziemlich günstig, z.B. bei diversen Ebay-Verkäufern. Nach dem „Geschäft“ kann man das Ganze guten Gewissens im Restmüll entsorgen.

Die Sitzhöhe ist ungewohnt niedrig, aber da haben die Cactus, der Eimer und auch die Chemietoiletten auch nicht oder nur wenig mehr zu bieten. Alle Lösungen haben so ihre Vor- und Nachteile. Letztlich muss hier wohl jeder seine individuelle Lösung finden.

Nachtrag: Inzwischen haben wir seit langem ein anderes Fahrzeug und benutzen eine Trocken-Trenntoilette, mit der wir höchst zufrieden sind. Hier geht es zum Beitrag über den Umbau.

Zuletzt geändert: 02.01.2022

Es gibt 3 Kommentare zu :
Overlander’s Nachttopf – die Camping-Toilette

  1. wolfman sagt:

    Dank absaugendem „SOG“ System stinkt die Toilette nicht mehr und es wird keine Chemie (seid Jahren nicht mehr) mehr verwendet.
    Die „Soße“ wird immer umweltfreundlicher je länger sie in der Kasette verweilt und genau das selbe propagieren die Fans von TTT ja immer: längere Intervalle- Also warum soll das ein Nachteil sein?

    Spezialpapier ist nicht nötig, Jedes Topilettenpapier funktioniert, braucht halt ein paar Tage länger…

    Entsorgung: wenn keine Chemie verwendet wird kann ich es in JEDES WC kippen, auch an Autobahnparkplätzen oder zur Not sogar mit Spaten im Wald verbuddeln. Vergraben müsste ich es nicht, da es sich ja (wie bei der TTT) um Biodünger handelt. Ist nur wegen dem versehentlichen Drauflatschen empfohlen.

    Ergebnis: Herkömmliche Campingtoiletten, mit SOG System und OHNE Chemie verwendet, sind den TTTs überlegen, da
    1. weniger Stromverbrauch für den impuls-Saugvorgang gegenüber dem Dauerlüfter bei der TTT.
    2. bilden sich keine Parasiten in der Toilette wie Würmer oder Minifliegen die durch die Dauerbelüftung bei der TTT eindringen können.
    3. Muss ich bei der Entsorgung nicht 2mal latschen, da sich beides ja in einer Kasette befindet.
    Und nochmal:
    a) Urin stinkt wie die Sau, auch bei der TTT
    b) Durch die Belüftung beim SOG System wird der natürliche Klärvorgang (wie bei der TTT) in Gang gesetzt und Gerüche werden nach außen abgesaugt.

    Mahlzeit 🙂

    1. Hallo Wolfgang!
      Das SOG-System kennen wir, hatten wir ja auch eingebaut. Und ja, man braucht dann keine Chemie – jedenfalls nicht unbedingt. Man muss aber immer noch mit dem Tank durch die Gegend rennen und mindestens ein WC finden, in das man entsorgen kann und darf. Wenn das für Dich kein Problem ist – toll! Für uns (und immer mehr andere Reisende) ist es aber nicht die Lösung der Wahl. Übrigens stinkt es bei uns in keinster Weise und Würmer und Algen haben wir auch nicht.

      Nebenbei: Ich finde es erstaunlich, dass dieses Thema so vehement und manchmal fast militant diskutiert wird – besonders von Leuten, die eben keine TTT nutzen.

      Mike

  2. Peter sagt:

    Danke für den sehr guten Artikel! Er hat uns sehr weitergeholfen! Gerne schaue ich hier wieder vorbei!
    LG Peter

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