Skandinavien – und wieder 10.000 Kilometer

26.01.2018 Kommentare (0) Reisen

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

Schon bevor wir uns Mitte des Jahres von unserem HILUX trennten, wussten wir, dass es in Richtung Kastenwagen gehen sollte. Und so kam es auch. Die Entscheidung fiel auf einen Mercedes Sprinter 316 CDI 4×4 mit mittlerem Radstand, der nun aufgrund seiner Farbe, meiner Vorliebe für diese Tiere und eines neuen Maskottchens (Danke, Thorsten!) auf den simplen Namen „Esel“ hört. Er bietet jetzt auch genügend Platz, so dass uns auch Rudi (the dog) auf dem einen oder anderen Trip begleiten kann. Als „Taufe“ machten wir uns Anfang September 2017 auf in Richtung Ostalpen.

Drei mal Dreiländereck in den AlpenDer grobe Plan bestand darin, zunächst in Richtung Südtirol zu fahren, um den Alpen von dort aus in östlicher Richtung zu folgen und uns ein wenig in Slowenien und Kroatien herumzutreiben. Von Basel ging es über Grimselpass und Nufenenpass nach Lugano, wo uns bei der Suche nach einem Supermarkt dann auch gleich Unbill widerfuhr. Durch einen kurzen Moment Unachtsamkeit meinerseits fuhren wir versehentlich durch eine nur für Anlieger erlaubte Wohnstraße und wurden von der Polizia Cantonale prompt auf frischer Tat erwischt. Zwar gab es nur eine Verwarnung, die es mit einhundert Euro aber auch in sich hatte…

Unsere Route führte uns jetzt entlang des Alpenkamms nach Nordosten Richtung Dreiländereck, über den Passo de Maloja, den Umbrail Pass und danach zum Passo dello Stelvio (Stilfser Joch). Auch Mitte September war es hier oben mit 1°C etwas kalt. Auf dem Pass selbst begann es leicht zu schneien, was wir als norddeutsche Flachländler um diese Jahreszeit so gar nicht gewohnt sind. Vor allem die Strecke über das Stilfser Joch, mit 2.763müNN der zweithöchste Straßenpass der Alpen, ist fahrerisch und landschaftlich wirklich reizvoll und höchst empfehlenswert. Die Serpentinen und Steigungen auf der Strecke waren für den Sprinter überhaupt kein Problem. Das Fahrzeug ist zwar schwerer und etwas schwächer als der Hilux, aber nicht länger und, wie sich zeigte, vollkommen ausreichend motorisiert.

Auf der italienischen Seite der Berge wandten wir uns in Richtung Meran und Bozen. Bis zu dieser Tour war uns überhaupt nicht so präsent, dass in dieser Gegend fast ausschließlich Deutsch gesprochen wird und es auch kulturell wie eine deutsch-italienische Mischung wirkt. Selbst die Straßenschilder und Straßennamen sind als Hauptsprache auf Deutsch und darunter kleiner italienisch beschriftet. Wie wir erfuhren, liegt der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung in Meran bei fünfzig Prozent, in Bozen beträgt der italienische Bevölkerungsanteil schon 65%. An anderen Stellen der Welt ist es häufig ganz offensichtlich, dass politische Grenzen meist künstlich sind und nichts mit über Jahrhunderte gewachsenen Kulturen zu tun haben. Wie man (nicht nur) hier sieht, gibt es das auch in Mitteleuropa.

Nach einem dreiviertel Tag Stadt ging es für uns wieder in die Berge, genauer in die Wälder um Vezzana und auf die Malga Millegrobbe. In Richtung Osten fuhren wir weiter zur Festung und Batterie Monte Rasta. In dieser ländlichen Region wollten viele kleine (Automaten-)Tankstellen unsere Kreditkarten nicht akzeptieren. Am Wochenende hatten die Tanken geschlossen, aber irgendwann fanden wir einen Automaten, der Bargeld akzeptierte. Glück gehabt. Weniger glücklich machen dagegen die Spritpreise in Italien.

Oben am Forte Leone stellten wir fest, dass zwar das Tor der Festung geöffnet war, eine freundliche Wachfrau aber dafür Sorge trug, dass niemand die Festung betritt. Schade. Eigentlich wollten wir an der Festung übernachten, aber es zog ein heftiges Gewitter heran und wir beschlossen, unser Lager irgendwo weiter unten aufzuschlagen. Beim Rangieren gab es es dann ein sehr unangenehmes Geräusch und wir stiegen aus, um dem auf den Grund zu gehen. Ich hatte die Einstiegsleiter vergessen und sie einfach überfahren. Ihr war nicht mehr zu helfen und wir musste die zahlreichen Aluminium-Reste irgendwann später in einem Müllcontainer „beisetzen“.

Auf zahlreichen unbefestigten Wegen und Pisten fuhren wir weiter durch die Berge. Trotz fiesen Regenwetters besuchten wir den Parco naturale regionale delle Dolomiti Friulane – zu deutsch Naturpark Friaulische Dolomiten. Im Val Cimoliana blieben wir dann über Nacht an einem super Campspot. Der prasselnde Regen auf dem Dach klang echt gemütlich. Blöd war nur, dass es den ganzen Folgetag ebenfalls regnete.

Den Passo Rest mit seinen 1.052m fuhren wir trotz schlechter Weitsicht und der Angabe im Netz, dass er für so ein Fahrzeug nicht sonderlich empfehlenswert sei, vollkommen problemlos. Da das Ganze optisch eher an das Innere einer dicken Wolke erinnerte, gibt es leider keine Fotos. Jetzt ging es ein wenig im Zickzack-Kurs erst mal ins österreichische Gailtal und von dort mit einem Umweg über Tarvisio (Italien) über den Predil Pass nach Slowenien. Kurz vor Bovec trafen wir auf die Soča, die durch ihr unglaublich türkisfarbenes Wasser besticht. Das Soča-Tal ist landschaftlich wunderschön und der Fluss ein Kajak- und Rafting-Paradies. Wem das zu viel Action ist, der kann dort prima am Ufer sitzen, beim Rafting zuschauen, die Seele baumeln lassen und in die Gegend träumen. Das könnte ich stundenlang tun, besonders gern bei mildem, sonnigem Herbstwetter so um die 20°C. Leider ist wild campen in Slowenien verboten und auf dem Fluss kommt ja auch häufig jemand vorbei, so dass wir immer ziemlich nach netten Stellplätzen suchen mussten. Oft blieb dann nur ein Campingplatz, von denen es in Slowenien aber ganz nette, kleine und naturnahe Exemplare gibt.

Auf unserem Weg in Richtung Kroatien besuchten wir noch den Triglav Nationalpark und sahen uns Bled an. Bled ist ein wunderschöner Ort, aber eben auch unglaublich bekannt und dementsprechend überlaufen. Jede Menge Reisebusse, Parkplätze (selbst gebührenpflichtige) waren Mangelware, so dass wir uns nach einem kurzen Spaziergang am See darauf beschränkten, noch ein wenig in der Stadt herumzugondeln. Für uns ging es jetzt wieder ab in Richtung Berge und Natur, bevor wir da noch Entzugserscheinungen bekommen. Auf den schmalen, kurvigen Nebenstrecken herrscht bei den Einheimischen scheinbar eine rasante Fahrweise vor, deutlich „sportlicher“ als im benachbarten Italien. Macht auch nichts, darauf kann man sich ja einstellen.

Dem Kamniška Bistrica folgten wir zu einem Stellplatz auf einer Bergwiese, eine super Location. Sehr nah am (eigentlich mitten im) Wald und wunderbar einsam. In einer nahe gelegenen Hütte gab es eine Bergwirtschaft, in der wir unseren Hunger stillten. Es gab zwar nur eine Mini-Auswahl, aber dafür super leckeres Essen. Wir entschieden wir uns für Kalbsschnitzel. Die waren so gigantisch groß, dass mir von meinem Essen die Hälfte eingepackt wurde.

Nun sollte unser Esel zeigen, was in ihm steckt. Mit der Höhe von knapp 3m und der Breite von 1,99m sieht es in den Bergen manchmal ein wenig schlecht aus. Auf einer engen und ziemlich steilen, groben Geröllpiste ging es bergauf. Bis zu einer Kurve mit starker Auswaschung und einem am Rand parkenden Fahrzeug ging das auch ganz gut. Ich hatte etwas zu wenig Schwung und der Sprinter driftete auf dem losen Untergrund mit dem Heck auf das geparkte Fahrzeug zu. Ich begann, ein wenig „unrund zu laufen“, da ich das parkende Fahrzeug nicht den Abhang runter schubsen wollte, aber mit ein wenig Rangieren und etwas mehr Schwung ging es dann doch problemlos weiter. Verschränkung ist nicht die Stärke eines Sprinters und neue Fahrzeuge wollen ja auch erst einmal ausgetestet werden. Mit einer „echten“ Untersetzung und vor allem einer vollwertigen Sperre wäre die Aktion für mich deutlich entspannter gelaufen. Mal schauen, ob wir da irgendwann technisch noch mal nachrüsten.

Hier im Dreiländereck sind wir wieder ein wenig Zickzack gefahren, über den Seebergsattel (1.218müNN – die Ostalpen sind halt nicht so hoch) nach Österreich und von dort über Lavamünd nach Dravograd (Slowenien), einfach der schönen Strecke zuliebe. Den unbefestigten Grenzübergang Lipnikmühle sind wir von slowenischer Seite aus in der Hoffnung angefahren, dass er möglicherweise noch befahrbar sei. Leider war das direkt an der österreichischen Grenze dann nicht mehr der Fall – verboten und fast zugewachsen. Im Grenz-Zickzack ging es weiter über den Radlpass in die Steiermark. An der Grenze gab es eine polizeiliche Kontrolle. Ein bewaffneter Soldat stand Wache, während ein Polizist nach den Ausweisen fragte. Mike war mit den Gedanken wohl gerade woanders und reichte dem Beamten versehentlich seine Kreditkarte, was bei dem Soldaten für größte Heiterkeit sorgte. Schön, wenn man Menschen unabsichtlich Freude bereiten kann …

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

Diesen Grenzübergang hat offenbar schon lange kein Fahrzeug mehr passiert …

Am Folgetag stellten wir für uns im Dreiländereck einen Rekord an Grenzübertritten auf. Erst fuhren wir von der Steiermark, auf kleinen einspurigen Straßen über einen sehr kleinen Grenzübergang nach Slowenien. Dort hielten wir auf die Drau zu und folgten dieser einige Kilometer bis nach Maribor, fuhren von dort aus nach Mureck und nutzten den Grenzübergang nach Österreich. Unser Weg zum Dreiländereck Österreich/Slowenien/Ungarn führte uns dann über einen anderen, kleinen Grenzübergang erneut durch Slowenien und damit zwei weitere Male über Ländergrenzen. Südöstlich von Inzenhof ging es dann über einen kleinen Güterweg mitten durch den Wald nach Ungarn. Was tut man nicht alles, um bloß immer auf möglichst kleinen Straßen und Wegen zu bleiben…

Im ländlichen Bereich Ungarns scheint die EU trotz des Beitritts vor nun mehr als dreizehn Jahren noch nicht wirklich angekommen zu sein. Uns verschlug es nach einigen Erkundungen aus der schon ziemlich flachen Landschaft erneut nach Österreich, diesmal ins Burgenland und von dort aus wieder nach Slowenien in Richtung Dolenjske Toplice. Im Internet hatten wir entdeckt, dass es dort in der Nähe ein Partisanen-Museum „Baza 20“ geben soll, das wir besuchen wollten. Als wir am Museum mitten im dicht bewaldeten Bergland ankamen, herrschte so starker Nebel, dass ein Besuch des Außengeländes einfach sinnfrei erschien. In der Gegend gibt es haufenweise unbefestigte Forststraßen, die wir natürlich trotz des Nebels unbedingt erkunden mussten. Leider erwies sich der erste Versuch nach kurzer Strecke als Flop, ein Bagger blockierte die durch Erdrutsch beschädigte Strecke. Also nahmen wir eine andere Forststraße, was auch viele Kilometer lang gut ging. Irgendwann kam uns dann ein riesiger, voll beladener Langholz-LKW entgegen und es war nicht einfach, auf der einspurigen Bergpiste mitten im Wald einen Platz zum Ausweichen zu finden. Nachdem wir das auf den Folge-Kilometern vier mal machen mussten, beschlossen wir, uns doch einen anderen Weg zu suchen.

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

Hier hatte sich der übelste Nebel schon wieder gelegt …

Die Grenze nach Kroatien passierten wir dann von Vinica nach Pribanjci, wo wir nicht schlecht staunten, als wir unsere Ausweise beim Verlassen Sloweniens vorzeigen mussten. Da wir in Richtung Süden fuhren, rechneten wir mit keiner Kontrolle, umgekehrt in Richtung Norden hätten wir uns wohl nicht so gewundert. Auf kroatischer Seite war die Grenzstation überhaupt nicht besetzt und wir setzten unseren Weg in Richtung Nationalpark Plitvicer Seen fort. Dort angekommen, wurden wir mit der geballten Kraft des Massentourismus konfrontiert, die Busparkplätze waren rappelvoll, die Parkplätze für PKW ebenfalls und als wir an einer Einfahrtschranke lasen, das wir eine Fotografier-Genehmigung benötigen und wir diese 14 Tage vorher hätten beantragen müssen, verging uns die Lust auf einen Besuch. Wir genossen die Landschaft lieber abseits dieses Trubels, trotz des schlechten Wetters. Wir hielten grob auf die Adriaküste zu und nutzten die Strecke für eine kleine kroatische Bergtour, unterhalb des Skigebietes zwischen Jasenovica und Snježnik. Von dort sind wir über unbefestigte Forststraßen, vorbei an verlassenen Gehöften und Überresten einer historischen Kaserne aus dem ersten Weltkrieg, bis an den Dom Trstenik an die Slowenische Grenze gefahren. Die Abfahrt führte dann weiter über Klana zur Hauptstraße. Ab da folgten wir der Küstenstraße über Opatija in den Südosten Istriens und entlang der Westküste zurück nach Slowenien.

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

Auf kroatischer Seite direkt an der grünen Grenze zu Slowenien

Im Landesinneren, im Snežnik-Gebirge, ging es dann wieder auf unbefestigter Strecke bis in die Gegend von Pivka Jama, wo uns auf ca. 30km Strecke gerade mal drei Autos und zwei Trecker begegneten. Unsere Route verlief von dort durch Postojna, dann nach Nordosten, nach Norden weiter auf Forststraßen quer durch die Berge bis nach Vojsko. Anfangs sahen wir noch gelegentlich PKW am Wegesrand parken und an einem Sperrwerk saßen Leute. Der Idrijca folgend ging es dann durch die erste Spitzkehre steil bergan. Auf der folgenden, schlechten und ausgesetzten Strecke trafen wir über viele Kilometer keine Menschenseele mehr. Nach einer gefühlten Unendlichkeit sahen wir direkt am Weg ein provisorisches Hinweisschild auf Baumfällungen. Zurück wären es weit mehr als dreißig Kilometer gewesen, so dass wir versuchsweise einfach weiterfuhren. Wir hatten Glück, ein freundlicher Waldarbeiter setzte seinen Schlepper auf der engen Strecke so weit an den Rand, dass wir hindurch passten.

Anschließend wurde die Forststraße ein wenig größer, irgendwann kam wieder Asphalt und wir fuhren Richtung Nordwesten weiter. In Kobarid tankten wir noch einmal voll, folgten einige Kilometer der Soča und bogen kurz vor Bovec in Richtung Italien ab. In Zaga war die Strecke nach Učja als gesperrt gekennzeichnet, wir sind aber trotzdem hinein gefahren. Am Učja Sattel gab es eine kleine Baustelle, die aber Sonntags freigegeben war. Weiter ging es über die für Sprinter recht schmale Sella Carnizza bis Gniva. Noch vor Carnizza trafen wir erneut auf eine Baustelle. Hier waren Bäume gefällt worden und die Stämme lagen auf der engen Straße. Wir warteten, bis ein großer Traktor die Stämme von der Straße geräumt hatte und ein wenig an die Seite fuhr, unser Esel passte gerade so durch.

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

Baumfällungen an der Sella Carnizza

Dem Tagliamento folgten wir dann am Westufer bis nach Spilimbergo und überquerten weiter westlich die Fiume Meduno über das breite, trockene und staubige Flussbett. Früher war die Befahrung des Flussbettes noch erlaubt, nachdem damit aber zu viele Leute Schindluder getrieben haben, verbot die Regionalregierung das kurzerhand für fast alle Bereiche. Nun ging es noch einmal über die Torrente Cellina und am Fuß der Alpen ins Tal der Soligho. Über die Südrampe des Monte Grappa fuhren wir bis zum Parkplatz der Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und später auf der Westrampe wieder herunter. Die Südrampe ist recht steil und schmal, was bei einer Abfahrt extrem viel Bremsen bedeutet hätte. Von Thiene folgten wir dem Astico Tal nach Nordwesten, um für ein wenig Sightseeing noch einmal nach Meran zu gelangen.

Danach ging es über den Jaufenpass (na ja) und das Timmelsjoch (tolle Aussicht) nach Österreich ins Ötztal, über den Fernpass nach Deutschland und ab nach Hause.

 

Drei mal Dreiländereck in den Alpen

 

 

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