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24.11.2025 / Kommentare (0)

Drehort-Roadtrip Spanien

Bei der Planung unseres diesjährigen Roadtrips durch Spanien kam wieder einmal auch die Halbwüste von Tabernas auf die Liste. Mir kam der Gedanke, dass es neben den in den 1960er Jahren ursprünglich von Sergio Leone errichteten und heute als Touristenattraktion dienenden Western-Städten dort doch auch noch weitere, weniger bekannte Drehorte geben müsste. Es folgte eine ausgedehnte Recherche im Netz und in diversen Spaghetti-Western – mit Erfolg.

Die gefundenen Film-Locations haben wir dann in unsere Reiseplanung aufgenommen und unterwegs während des Trips damit viel Spaß gehabt und nebenbei dadurch auch einige tolle Landschaften entdeckt. Dabei haben wir nicht einmal alle lokalisierten Drehorte besucht. Spanien diente für unglaublich viele Kinohits als Kulisse, so dass wir uns auf Orte beschränkt haben, die besonders vielversprechend erschienen und/oder wir den betreffenden Film auch kennen und mögen.

Fast ganz im Süden der iberischen Halbinsel, östlich des ehemaligen Bergbau-Ortes Rodaquilar, wartete der erste Drehort auf uns. Unser Ziel war die Ruine des „Torre de los Alumbres“. Diese kleine Burg wurde 1510 zur Bewachung und Verteidigung des Ortes und der nahe gelegenen Minen gegen marodierende Barbaren errichtet. Ab 1764 übernahm eine andere Burg diese Aufgabe und machte diese Anlage überflüssig. Im Jahr 1971 nutzte Sergio Leone das Bauwerk für seinen Film „Todesmelodie“ (engl. Titel „Duck, you sucker!“) mit Rod Steiger und James Coburn. Die beiden sprengen im Film einen Turm an diesem Gebäude, der tatsächlich einzig und allein für den Kinofilm errichtet und für die Dreharbeiten gleich wieder zerstört wurde. Das historische Burggebäude blieb bis heute erhalten.

Weiter ging es dann nur wenig entfernt am „Cortijo del Fraile“, dem „Landhaus der Mönche“, das im achtzehnten Jahrhundert von Dominikanern erbaut wurde. Das Gehöft wurde in zahlreichen Filmen als Kulisse verwendet, darunter „Für ein paar Dollar mehr“ („For a few Dollars more“, 1965, mit Clint Eastwood und Lee van Cleef) und „Zwei glorreiche Halunken“ („The good, the bad und the ugly“, 1966, mit Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee van Cleef), beide von Sergio Leone Heute gehört es zum Naturpark Cabo de Gata und steht unter Denkmalschutz.

Nur ein kurzes Stück entfernt liegt, netterweise an eine Schotterpiste, der Strand „Playa de Mosul“. Hier wurden Indy und sein Vater in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1994) von einem Jagdflugzeug verfolgt, dass dann nach einem Regenschirm-Trick von Indys Vater an einer Feldwand zerschellte. Auch Sean Connery und Candice Bergen drehten an diesem Strand 1975 für „Der Wind und der Löwe“. In beiden Filmen spielt die jeweilige Szene in Afrika und man mag das auch vor Ort beinahe glauben.

Es folgte ein Abstecher in die wunderbare Landschaft der Wüste von Tabernas („Desierto de Tabernas“). Hier fühlt man sich tatsächlich ein wenig in den Südwesten der USA versetzt, Aus diesem Grund entstanden hier in den 1960er Jahren drei falsche Westernstädte als Filmkulissen, in denen in der Folge zahllose Western gedreht wurden – darunter nicht nur Italo-Western, sondern auch „Der Schuh des Manitu“, Teile von einigen Winnetou-Filmen und vieles mehr. Heute sind diese Kulissenstädte Touristenattraktionen. Wir haben uns dann auf „Fort Btavo“ beschränkt. Hier gibt es einen Camper-Stellplatz und man kann da auch Abends alles erkunden, wenn nicht alles voller Besucher ist.

Am nächsten Tag ging es dann ein ganzes Stück Richtung Westen in des Gemeindegebiet von Calahorra. Oberhalb des Ortes liegt auf einem Hügel die im sechzehnten Jahrhundert errichtete Burg. Eine Besichtigung war leider nicht möglich. Ob das generell so ist oder es an unserem Besuch Ende Oktober lag, wissen wir nicht. Hier begegnete uns, sozusagen auf unserem Weg hinauf zur Burg, wieder der Film „Der Wind und der Löwe“, in dem das imposante Bauwerk wieder in Afrika liegt.

Gleich darauf ging es zurück in den Wilden Westen, der nur wenige Kilometer nördlich beginnt. Hier verlief bis Ende der 1990er Jahre das Anschlussgleis der „Minas de Alquife“, einer nahe gelegenen Bergbaugesellschaft. Die längst verschwundenen Schienen und auch die Dampflokomotiven der Mine spielten in den sechziger und siebziger Jahren mehreren Western von Sergio Leone eine Rolle. Der Haltepunkt „Cattle Corner“, an dem Charles Bronson alias „Mundharmonika“ in „Spiel mir das Lied von Tod“ mit dem Zug ankommt und der auch in „Für ein paar Dollar mehr“ den Bahnhof von Tucumcari darstellt, wurde eigens für die Dreharbeiten gebaut und nur wenig später wieder angerissen. Ob das nun aus wirtschaftlichen Gründen zur Wiederverwendung des Materials oder zur Verhinderung der Nutzung durch Filme anderer Gesellschaften geschah, ist unklar. Der Bahndamm ist immer noch gut erkennbar, vom Haltepunkt ist nur ein Häufchen Steine und Ziegelreste zu sehen. Etwa einen Kilometer nördlich legte Eli Wallach als „Tuco“ in „Zwei glorreiche Halunken“ seine Handschellen auf die Gleise, um sie von der Bahn durchtrennen zu lassen.

Folgt man der ehemaligen Strecke um die nächste Kurve, erreicht man den mitten in der Ebene liegenden Bahnhof von Calahorra, der heute nur noch als Haltepunkt an einer aktiven Bahnstrecke liegt. Er kommt beispielsweise in „Zwei glorreiche Halunken“ vor. In „Spiel mir das Lied vom Tod“ liegt gleich gegenüber der falsche Bahnhof des eigens errichteten Ortes „Flagstone“, an dem Claudia Cardinale als Jill aus dem Zug steigt. Von Flagstone ist kaum etwas übrig. Nur die reinen Ziegel-Kulissen gibt es noch heute, teilweise integriert in einen großen, landwirtschaftlichen Betrieb.

Auch in Guadix, einer weiter westlich gelegenen Kleinstadt mit rund 19.000 Einwohnern, führt uns der Weg erneut zu einen Bahnhof und zu Indiana Jones und dem letzten Kreuzzug. Die Estación de Guadix spielte hier als Bahnhof von Iskenderun (Türkei) eine kurze Rolle. Tatsächlich ist das Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Betrieb genommene Gebäude in gutem Zustand und einfach schön, was uns zusätzlich dorthin lockte.

Später, viel weiter im Norden Spaniens, treffen wir auf das letzte Filmset dieser Reise, den „Sad Hill Cemetary“. Diese falsche Friedhof mit seinen rund fünftausend Gräbern wurde einzig und allein für den Film „Zwei glorreiche Halunken“ angelegt und nach den Dreharbeiten nie wieder filmisch genutzt. Über die Jahrzehnte verfiel diese Kulisse, bis sich eine Grippe Enthusiasten fand, die den Fake-Friedhof mehr oder minder instand halten. Heute gibt es angeblich noch etwa fünfhundert erhaltene (falsche) Gräber. Der runde Platz, auf dem das legendäre „Triell“ aus dem Showdown des Klassikers stattfand, ist fast unverändert.

 

Wir haben hier nur unsere Highlights aufgeführt und auf der folgenden Karte markiert. Filme, die wir nicht mögen und Drehorte, die wir langweilig fanden oder die kaum noch erkennbar sind, haben wir hier weggelassen. We selber mal Lust hat, so etwas zu machen – das Netz ist voller Infos, nur eben nicht immer in deutscher Sprache.

 

Zuletzt geändert: 25.11.2025

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